[Das Ding mit….] …den Depressionen. Kein Tabuthema, weil ich so bin!

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Genau eine Woche ist es her, dass Chester Bennington  sich das Leben genommen hat. Dieser Vorfall beschäftigt mich seitdem jeden Tag und lässt meine eigene Situation und mein Leben überdenken.

Ich habe bereits in meinem letzten Beitrag darüber geschrieben, weil ich der Meinung bin, dass viel mehr und offener über das Thema Depressionen gesprochen werden muss. Denn es muss endgültig aufhören, dass die Gesellschaft dieses Thema todschweigt und zu einem Tabuthema macht. Zumindest ich möchte für mich daraus keins mehr machen!

Mein Leben mit Depressionen ist ein täglicher Kampf, auch in Phasen wie jetzt zum Beispiel, wo es mir gut geht und wo ich es im Griff habe, lauern die Dämonen trotzdem irgendwo hinter der nächsten Ecke. Ich habe gelernt durch jahrelange Therapie damit zu leben, was nicht bedeutet, dass sie für immer weg sind. Es kann auch sein, dass ich jetzt ein paar Jahre Ruhe davor habe. Aber genauso kann es sein, dass sie wieder die Oberhand gewinnen und mich voll im Griff haben.

Ich habe viel durchgemacht in meinem Leben und das soll jetzt kein mimimi Beitrag werden, wie schlecht ich es doch hatte. Sondern für mich hat das ganze auch mit Verarbeitungsprozessen zu tun. Denn nur indem ich darüber spreche und es nicht verdränge, kann sich mein Zustand so stabil halten wie er aktuell ist.

Aber das es mir heute so gut geht, war ein langer Weg. Und er war nicht einfach. Aber ich bin sehr stolz auf mich, dass ich so viel erreicht habe, trotz meiner Depression!

Meine Kindheit war nicht die schönste, ich habe viel erleiden müssen, was man keinem Kind wünscht. Aber ich hatte meine Großeltern an meiner Seite, denen ich heute verdanke, dass ich noch am Leben bin. Leider lebt nur noch meine Oma, aber sie ist die Person auf dieser Welt die ich am meisten liebe und der ich wirklich alles verdanke. Sie hat immer an mich geglaubt und hat mich immer wieder darin bestärkt niemals aufzuhören.

Ich hab auch in meiner Schulzeit viele Erfahrungen mit Mobbing machen müssen, was mich sehr geprägt hat. Ich weiß niemand ist perfekt, deshalb habe ich meinen Mobbern auch verziehen.

Ich habe sämtliche Therapien gemacht und war auch in einer Klinik. Ich war an einem Punkt angelangt, wo ich niemals gedacht hätte, dass ich da stehe wo ich heute bin!

In zwei Wochen beende ich mein Anerkennungsjahr zur Erzieherin. Auch im Laufe der Ausbildung hat mich die Depressionen nicht in Ruhe gelassen und es sah zweitweise so aus, dass ich die Ausbildung nicht beenden kann. Aber ich habe durchgehalten und ich bin sehr glücklich darüber. Endlich kann ich in dem Bereich arbeiten, den ich so sehr liebe.

Mir hat aber meine Ausbildung auch geholfen, mich besser zu verstehen. Allein durch das Fach Psychologie habe ich dann immer mehr gelernt über mich und über das, was mir passiert ist. Und vor allem, dass es nicht meine Schuld ist. Und das war ein ganz wichtiger Moment in meinem Leben!

Es ist nicht meine Schuld, dass mir das alles passiert ist!

Aber warum schreib ich das alles? Ich möchte einfach anderen Mut machen, denen es genauso ging oder geht wie mir. Es ist ok, nicht ok zu sein. Aber es ist wichtig weiter zu machen, für das zu kämpfen was man liebt, denn das Leben hält so viele wundervolle Dinge für uns bereit. Wichtig ist einfach, dass man sich professionelle Hilfe holt, denn das ist definitiv kein Zeichen von Schwäche!

Und wenn man als ersten Schritt sich an die Telefonseelsorge wendet ist das schon ein Fortschritt!

Mir ist aber auch wichtig, dass genau die Personen die abwertend über Menschen mit Depressionen sprechen endlich mal die Augen öffnen!

Nein, man kann sich nicht einfach mal so zusammenreißen!! Wenn allein schon aus dem Bett aufstehen nicht funktioniert, weil man einfach keine Kraft hat. Oder wenn man es nicht mal schafft unter die Dusche zu gehen. Das macht man als depressiver Mensch nicht, weil man zu faul dazu ist, sondern weil es einfach schlichtweg nicht funktioniert! Es funktioniert auch genauso wenig, depressive Menschen unter Druck zu setzen! Ein Funken eigener Willen etwas zu ändern gehört einfach dazu! Wichtig ist aber genauso, dass wenn man Menschen in seinem Umfeld hat, bei dem einem so ein Verhalten auffällt, dass man sensibel aber trotzdem offensiv mit ihnen spricht. Kommunikation ist wichtig.

Ich erwarte kein Verständnis, sondern Akzeptanz und Toleranz. 

Ich werde auf jeden Fall nicht mehr dazu schweigen, denn ich muss und will offensiv damit umgehen! Ich hoffe ich kann dadurch andere Betroffene ermutigen, auch darüber zu sprechen! Denn wir sind viele! Und zusammen können wir einiges schaffen!

Danke für eure Aufmerksamkeit

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14 Kommentare zu „[Das Ding mit….] …den Depressionen. Kein Tabuthema, weil ich so bin!

  1. Liebe Jennie,

    Vielen Dank für deine so wahren und offenen Worte. Mir ergeht es wie dir. Seit einer Woche drehen sich all meine Gedanken um die Depression und ich überlege ob ich es ebenfalls wagen soll, einen Post zu verfassen. Bisher hab ich mich nicht getraut da ich weiß das es sehr persönlich werden könnte und mich frage, wie persönlich so ein Blogpost eigentlich sein darf. Bescheuert wo es doch MEIN Blog ist.

    Du hast mich gerade ermutigt und vielleicht wage ich mich in den nächsten Tagen tatsächlich daran, denn es muss einfach raus.

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  2. Vielen Dank für Deine Offenheit 🙂 Ich kenne die Dämonen selbst nur zu gut – sie sind letztendlich der Anreiz dafür, dass ich bei mir unter anderem über Glücksmomente schreibe. Die können die Dämonen zwar nicht immer vertreiben, aber den Fokus auf positive Dinge zu lenken gehört zu den Dingen, die ich in der Therapie gelernt habe. Und ich finde auch, dass wir uns nicht verstecken sollten 🙂

    Liebe Grüße

    Claudia

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich weiß, dass sich viele hier angesprochen fühlen und das möchte ich gar nicht runterziehen.
    Aber manchmal geht es auch den anderen Menschen, um die depressive Person herum nicht gut damit. Ich weiß, ich kann als Angehörige nichts tun. Genau dieses „sensibel“ sein und offen damit umgehen ist der Knackpunkt für mich. Auf der einen Seite heißt Depression für mich immer „Rücksicht nehmen“, auch wenn die Person das nicht möchte, aber wenn ich keine Rücksicht nehme, endet der Kontakt meist in einem offenen „Krieg“, indem ich mir dann anhören muss, wie es dem anderen geht UND was ICH alles falsch gemacht habe. Niemand ist Schuld, aber ich werde weiter Rücksicht nehmen, nicht auf die Person, sondern auf mich!

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    1. Liebe Weltenwandlerin,
      ich kann dich sehr gut verstehen. Und zwar aus dem Grund, dass ich nicht nur Betroffene bin, sondern selbst Angehörige. Allem gerecht zu werden ist einfach schwer. Und manchmal muss man egoistisch sein und an sich denken. Weil es nicht sein darf, dass man selbst daran zugrunde geht. Mir tut es sehr Leid, dass du diese Erfahrungen gemacht hast, aber Abstand ist da definitiv die Beste Lösung. Denn Fakt ist auch, man kann nicht jeden retten. Und auch das ist OK! Ich finde es gut, dass du geschrieben hast, weil auch unbedingt diese Position betrachtet werden muss.

      Gefällt 1 Person

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